{"id":10566,"date":"2025-05-02T11:45:16","date_gmt":"2025-05-02T11:45:16","guid":{"rendered":"https:\/\/stuttgartertageszeitung.de\/?p=4715"},"modified":"2025-05-02T11:45:16","modified_gmt":"2025-05-02T11:45:16","slug":"durchbruch-bei-alzheimer-forscher-testen-toxisches-protein-an-lebendem-hirngewebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pappusaha.com\/kartnerzeitung\/durchbruch-bei-alzheimer-forscher-testen-toxisches-protein-an-lebendem-hirngewebe\/","title":{"rendered":"Durchbruch bei Alzheimer: Forscher testen toxisches Protein an lebendem Hirngewebe"},"content":{"rendered":"\n<p>Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Gro\u00dfbritannien haben einen wichtigen Schritt im Kampf gegen Alzheimer gemacht. Erstmals konnten sie beobachten, wie ein f\u00fcr Alzheimer typisches Protein lebendes menschliches Hirngewebe angreift. Ziel war es, die Entstehung der Krankheit in Echtzeit zu verfolgen. M\u00f6glich wurde das durch die Verwendung von Hirngewebe, das bei Operationen entnommen wurde. Diese neue Methode erlaubt es, die Krankheit unter nahezu echten Bedingungen zu erforschen \u2013 und k\u00f6nnte k\u00fcnftig helfen, gezielt neue Therapien zu entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was genau wurde untersucht?<\/h3>\n\n\n\n<p>Das Forschungsteam rund um Dr. Claire Durrant vom <em>Centre for Discovery Brain Sciences<\/em> in Edinburgh setzte lebendes Hirngewebe dem toxischen Amyloid-Beta aus. Dieses Protein sammelt sich bei Alzheimer-Patienten im Gehirn an und zerst\u00f6rt nach und nach die Verbindungspunkte zwischen Nervenzellen \u2013 sogenannte Synapsen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Besondere: Das Protein wurde nicht k\u00fcnstlich hergestellt, sondern stammte direkt aus den Gehirnen verstorbener Alzheimer-Patienten. So konnten die Wissenschaftler genau sehen, wie sich echte Krankheitsprozesse entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Hirngewebe aus Operationen genutzt<\/h3>\n\n\n\n<p>Das f\u00fcr die Tests verwendete Hirngewebe stammte von Patienten, die sich in Edinburgh einer Gehirnoperation unterziehen mussten. W\u00e4hrend der Entfernung von Tumoren wurden kleine, gesunde Teile entnommen \u2013 mit vorheriger Zustimmung der Betroffenen. Diese St\u00fccke w\u00e4ren normalerweise entsorgt worden, doch dank der Genehmigung konnten sie f\u00fcr die Forschung verwendet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Operationssaal warteten Forscher in Schutzkleidung, um das Gewebe direkt in mit Sauerstoff angereicherter Fl\u00fcssigkeit zu lagern. Anschlie\u00dfend wurde es schnell ins Labor gebracht, um dort weiter untersucht zu werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Alzheimer im Labor ausl\u00f6sen<\/h3>\n\n\n\n<p>Im Labor schnitten die Forscher das Hirngewebe in sehr d\u00fcnne Scheiben \u2013 weniger als ein Drittel Millimeter dick. Diese wurden bei 37 Grad Celsius in N\u00e4hrl\u00f6sung gehalten, um die Bedingungen im menschlichen K\u00f6rper zu simulieren. Bereits kurze Zeit sp\u00e4ter begann die eigentliche Untersuchung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Proben blieben bis zu zwei Wochen lang lebendig und reagierten auf die k\u00fcnstlich herbeigef\u00fchrte Alzheimer-Belastung. Das Ergebnis: Schon kleinste Ver\u00e4nderungen im Amyloid-Beta-Spiegel \u2013 nach oben oder unten \u2013 f\u00fchrten zu St\u00f6rungen der Zellfunktion. Das zeigt, wie empfindlich das Gehirn auf das Protein reagiert.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Warum ist das wichtig?<\/h3>\n\n\n\n<p>\u201eUnsere Forschung zeigt, dass lebendes menschliches Hirngewebe ein echter Gamechanger sein kann\u201c, so Dr. Claire Durrant. Denn: Alzheimer beginnt oft unbemerkt mit dem Verlust von Synapsen \u2013 den Schaltstellen im Gehirn, an denen Nervenzellen Informationen austauschen. Genau dieser Prozess konnte nun gezielt untersucht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00fchzeitige Synapsenverluste gelten als Hauptgrund f\u00fcr Ged\u00e4chtnisprobleme und den Abbau der geistigen F\u00e4higkeiten bei Alzheimer-Patienten. Die neue Methode erlaubt es, diesen Ablauf genau zu verfolgen \u2013 und das in echter menschlicher Substanz, nicht mehr nur im Tierversuch.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Spenden machten den Durchbruch m\u00f6glich<\/h3>\n\n\n\n<p>Unterst\u00fctzt wurde das Projekt durch die Stiftung \u201eRace Against Dementia\u201c von Ex-Rennfahrer Sir Jackie Stewart sowie durch die James Dyson Foundation. Dyson lobte die Studie als \u201ebahnbrechend\u201c, da sie direkt mit menschlichem Gewebe arbeitet. Tierversuche mit M\u00e4usen k\u00f6nnten so in Zukunft reduziert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders auff\u00e4llig: Hirnschnitte aus dem sogenannten Temporallappen \u2013 ein Bereich, der fr\u00fch von Alzheimer betroffen ist \u2013 setzten deutlich mehr vom gef\u00e4hrlichen Tau-Protein frei. Dieses Protein gilt als weiterer Krankheitsverst\u00e4rker, da es sich schnell im Gehirn ausbreitet.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Fachleute loben die neue Methode<\/h3>\n\n\n\n<p>Auch Professorin Tara Spires-Jones vom UK Dementia Research Institute zeigte sich begeistert. \u201eMit lebendem menschlichem Hirngewebe zu arbeiten, er\u00f6ffnet ganz neue M\u00f6glichkeiten. Wir k\u00f6nnen die Krankheit besser verstehen und neue Medikamente realistischer testen\u201c, so die Expertin.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Hoffnung: Mit dieser neuen Plattform lassen sich k\u00fcnftig gezielt Medikamente entwickeln, die den Krankheitsverlauf aufhalten oder sogar stoppen k\u00f6nnen. Die Tests k\u00f6nnten au\u00dferdem deutlich schneller und sicherer werden als bisher.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein Hoffnungsschimmer f\u00fcr Millionen<\/h3>\n\n\n\n<p>Weltweit sind bereits heute rund 55 Millionen Menschen von Demenz betroffen. Laut Prognosen der Weltgesundheitsorganisation k\u00f6nnte diese Zahl bis 2050 auf 153 Millionen steigen. Umso wichtiger sind neue Ans\u00e4tze wie dieser.<\/p>\n\n\n\n<p>Die nun getestete Methode bringt die Forschung einen gro\u00dfen Schritt weiter. Sie verbindet moderne Technik mit echtem menschlichem Gewebe \u2013 und schafft so die Basis f\u00fcr bessere Therapien. Die Hoffnung auf Heilung w\u00e4chst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Gro\u00dfbritannien haben einen wichtigen Schritt im Kampf gegen Alzheimer gemacht. Erstmals konnten sie beobachten, wie ein f\u00fcr Alzheimer typisches Protein lebendes menschliches Hirngewebe angreift. Ziel war es, die Entstehung der Krankheit in Echtzeit zu verfolgen. M\u00f6glich wurde das durch die Verwendung von Hirngewebe, das bei Operationen entnommen wurde. Diese neue Methode<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":10316,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[68],"tags":[],"class_list":{"0":"post-10566","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-wissenschaft"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/pappusaha.com\/kartnerzeitung\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10566","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/pappusaha.com\/kartnerzeitung\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/pappusaha.com\/kartnerzeitung\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pappusaha.com\/kartnerzeitung\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pappusaha.com\/kartnerzeitung\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10566"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/pappusaha.com\/kartnerzeitung\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10566\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pappusaha.com\/kartnerzeitung\/wp-json\/wp\/v2\/media\/10316"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/pappusaha.com\/kartnerzeitung\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10566"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/pappusaha.com\/kartnerzeitung\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10566"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/pappusaha.com\/kartnerzeitung\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10566"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}